“The sea, once it casts its spell, holds one in its net of wonder forever.” – Jacques Cousteau 

Bereits am frühen Morgen, werden wir von der aufgehenden Sonne geweckt. Was wir noch nicht wissen, unser heutiger Tag, steht unter dem Motto surfen. – Gestern Abend stand nach Sonnenuntergang nur noch ein Bulli neben uns auf dem Kliff. Als ich nun aus dem Fenster blicke, stehen bereits etliche portugiesische Fahrzeuge neben uns. Es sind vor allem Surfer, die teilweise nur aufs Wasser schauen, um die Wellen zu prüfen. Teilweise sind sie bereits im Wasser, um den Sonnenaufgang zu erleben. Ich nutze erst einmal unser selbst konstruierte Außendusche. Bei knapp 10° Außentemperatur eine mehr als belebende Veranstaltung. Doch statt zum Wasser, treibt es mich in den Bulli. Ich halte mehr von einer heißen Tasse Kaffee.

Dann räumen wir unsere Plörren zusammen, um den Bulli ein paar Meter weiter, oberhalb des Strandes, in der Morgensonne zu parken. Leider hat uns ein Surfer ein wenig zugeparkt. Wollen wir warten, bis er vom Meer zurück ist? – Wir beschließen uns durchzuschlängeln. Hector macht sich schmal. – Mehr und mehr, lernen wir mit dem Bulli auch durch die kleinste Lücke zu kommen. Als nächstes gilt es, wie bereits am Vortag unterhalb der Höhenbegrenzung durch zu kommen. In diesem Teil Portugals, scheinen Höhenbegrenzungen, ähnlich wie in Frankreich, wieder zuzunehmen. Deshalb haben wir die Fahrräder bereits so auf dem Gepäckträger montiert, dass die Lenker in eine Richtung zeigen. So haben wir ab und zu die Chance zwischen den Barken durch zu kommen. Auf diesem Platz gibt es jedoch nur die Chance, dass die Höhenmarkierung  etwas gelupft wird. Das hilft natürlich nicht immer. Deshalb überlegen wir noch, wie unser Gepäck- träger umgebaut werden kann. Denn die Fahrräder jedesmal zu demontieren ist eigentlich keine Wahl.

Auf unserer neuen Position angekommen, komme ich mit einem Surferpaar, samt Tochter ins Gespräch. Er berichtet, dass sie aus dem bayrischen Alpenvorland kommen. Deshalb bin ich verwundert über das Paderborner Kennzeichen. Er berichtet mir, dass er das Fahrzeug extra in Paderborn auf seinen Vater angemeldet hätte, um Kosten zu sparen. Das müsse er deshalb, weil er sich keinen festen Beruf leisten könnte, da er ansonsten ja keine Zeit zum Surfen hätte. Ich bin etwas verwundert, über die Selbstverständlichkeit seiner Worte. Ich frage ihn, ob sie sich als glücklich bezeichnen würden. – “Glück bedeutet auf dem Meer zu sein”  – Es folgt die Gegenfrage, ob mir überhaupt bewusst wäre, dass wir unseren Bulli an einem der schönsten Surf Spots Portugals abgestellt hätten? War es uns natürlich nicht. Deshalb vermerke ich hier noch mal den Spot, Mafra – Santa Isodoro. – Wir trinken noch ein zweiten Kaffee und machen uns auf den Weg nach Ericeira.

Dass dies ebenfalls ein Surfer Hotspot ist, kann man nicht verkennen. Bereits am ersten Fußgänger Übergang kreuzen Horden von Surfern die Straße. Wir müssen erst mal Lebensmittel bunkern. Als wir damit fertig sind, verabreden wir uns mit einer guten Freundin aus Köln, am Strand. Diese macht mit einer Freundin, deren Sohn und ihrem Sohn eine Woche Urlaub. Entspannung und Erkundungen sind angesagt, aber vor allem auch Surfen. Bis die Gruppe zu uns stößt, nutzen wir die Zeit zum Frühstück. Heute gibt es Brötchen mit Käse und Salat, dazu herzhaft süße Tomaten. 

Als die Kölner da ist, möchten sie direkt aufs Meer. Ich nutze die Gelegenheit und leihe mir ebenfalls ein Brett, um eine erste Einführung zu erhalten. Ich liebe das Meer, doch liebe ich auch das Surfen? Ich weiß es nicht, das Wasser ist unruhig. Doch auf dem Riff trainiert ein Surf Lehrer eine kleine Gruppe. Also rein in den Anzug und ab ins Wasser. – Mein erster Eindruck? Es geht mir ähnlich, wie an dem Tag, als ich das erste Mal auf einem SUP stand. Das Board war definitiv nicht meine Gewichtsklasse. Es ähnelt eher einem U-Boot. Doch damals kam ich wenigstens mal zum Stehen, was mir heute nicht gelingt. Ich schlucke reichlich Wasser, dennoch hat die Aktion riesigen Spaß gemacht. Ich muss schauen, wo ich ein Board geliehen bekomme, welches mehr Auftrieb bringt. Sicher wird es jetzt wieder Profis geben, die es auch mit einem kleinen Brett können. Doch ich brauche etwas mehr Sicherheit. Ob Surfen mein Sport ist, kann ich überhaupt nicht sagen. Doch es hat mir Freude und Spaß bereitet, obwohl miserabelste Bedingungen geherrscht haben. Das stimmt mich optimistisch. Auch Tauchen habe ich zuerst im Baggersee gelernt und nicht in der Karibik. Ich weiß nicht, ob ich jemals ein Baggersee näher erkundet hätte, wenn es andersrum gewesen wäre.

Als ich aus dem Wasser komme, bin ich glücklich. – Wir erkunden im Anschluss noch ein wenig einen coolen Surfer Store. Doch ich bekomme langsam Hunger. Schön, dass die Damen beschließen ein Restaurant aufsuchen. Die verwinkelten Gassen der Altstadt von Ericeira, mit Ihrem fast weißen Kopfsteinpflaster bieten ideale Voraussetzungen sich mit dem Bulli fest zu fahren. Deshalb geben wir eine direkte Fahrt bis zum Restaurant, nach ein, zwei Versuchen auf und lassen Hector lieber unterhalb einer alten Kapelle zurück. Mit Gottes Segen wird ihm schon nichts passieren. Wir durchlaufen von hier aus die Altstadt und werfen noch einen Blick auf den Hafen mit ein paar alten Fischerbooten. Das Restaurant stellt sich als netter Burger-Laden heraus. Nett und einfach, die Jungs machen einen zufriedenen Eindruck. – Nun gilt es sich nach Sintra durchzuschlagen. Hector parkt heute im Garten eines alten Hauses, direkt unterhalb und somit in Sichtweise des Palácio Nacional da Pena. Doch dieses steht erst später auf unserer Besucherliste. Wir zünden den Kamin an und trinken, gemeinsam am prasselnden Feuer noch ein paar Gläser Wein.

Wenn das Feuer prasselt, wird man schnell melancholisch oder optimistisch gestimmt. Mit einem Glas Wein in der Hand, fällt es leicht positive Gedanken zu spinnen. Ohne dass wir es bewusst ansprechen, wird das Thema Zufriedenheit und Glück auch hier ein Thema.

Allen, an diesem Gespräch beteiligten, ist bewusst, welches Luxusleben wir führen. Wir haben die Chance zu reisen, in einer wunder-schönen Stadt zu leben, nicht nur genug zu Essen zu haben. Sondern die freie Wahl: Wollen wir Bio, vegan oder doch lieber Steak? Freiheit zu genießen, fällt einem, nach einem Tag am Strand besonders leicht. Wenn wir jetzt nicht glücklich sind, wann dann?

Als der Abend zu Ende geht, sind wir froh, vom Haus wieder in den Garten wechseln zu können. Im eigenen Bettchen zu schlafen, ist halt etwas anderes.

Teile unsere Reise mit Deinen Freunden
de_DEGerman