Am heutigen Morgen, werden wir wieder einmal von der aufgehenden Sonne geweckt. Als wir das Rollo hoch schieben, blicken wir auf das azurblaue Meer und die Praia de Loulé Velho. Wir stehen etwa drei Meter oberhalb des Meeres auf einer ockerfarbenen Düne, in einem gemütlichen Pinienwald. Nur nachts sollte man genauer hinsehen, denn zwischen den Pinien stehen überall Kakteen. Wir genießen unseren Blick auf die See noch ein wenig, eingemuckelt in unsere Decke. – Als es Zeit wird aufzustehen, beschließe ich kurz im Meer zu baden.

Kurz war die richtige Entscheidung. – Angeblich hat der Atlantik um diese Jahreszeit 18°. Gefühlt maximal 14°. – Das passt zur Aussen-temperatur, denn auch diese liegt heute bei circa 14°. – Also schnell unter die Außendusche, diese macht zwar auch nicht wärmer, doch dann kann ich zumindest sauber zurück in den Bus. Hier gibt es lecker Kaffee. – Vor allem ist unsere morgendliche Kaffeezeremonie, seit unserem Besuch zu Hause, deutlich entspannter. – Wir haben uns einen größeren Espressokocher von Bialetti zugelegt. Es heißt immer noch “möchtest du noch ein Schluck Kaffee” doch die Betonung hat diesen gewissen Unterton verloren.

Im Anschluss spiele ich ein wenig mit unserem Nachbars Hund, einem Malinois. Dieser wirkt nicht nur kraftvoll und ausgeglichen, er ist es auch. Nach einer halben Stunde ist nicht er ausgepowert, sondern ich könnte direkt wieder schlafen gehen.

Torgit macht währenddessen einen ihrer Strandspaziergänge und bringt einige Muscheln mit. – Das Thema Hund bringt uns wieder mal zum Thema eigener Hund. Über das ob, die Rasse und so weiter sind wir uns seit langem einig, doch über das wie, sprich die Hundeerziehung, diskutieren wir noch. Einig sind wir uns aber, dass wir mit einer Stimme klang sprechen wollen. – Sicherlich liegt der richtige Ansatz mal wieder in der Mitte. Noch gilt es die Mitte zu finden. (Anm. von Torgit: Während meine Seele beim Strandspaziergang baumelt, fallen mir immer wieder besonders große und schöne Muscheln ins Auge. Warum fallen immer die besonders schönen Dinge auf? Muss denn alles immer perfekt sein? Haben nicht gerade unperfekte Dinge ihren besonderen Reiz, Dinge mit Ecken und Macken? So wie wir? Das hatten wir doch schon mal in der Zitadelle von Bleye, das Ultra IPA von PIP, “Das Bier des unperfekten Perfekten.

Fazit des Tages: Es lebe das perfekte Unperfekte! Vive Imparfaitement Parfaite!

Im Anschluss spaziere ich ein wenig den Strand entlang. Zwischen den Pinien stehen einige wilde Vans. Ich hab mich auf den Weg gemacht um Elisabeth zu suchen, die Französin, aus dem Elsass, welche ich im Flieger kennen gelernt habe. Diese soll hier ebenfalls ihr Nachtlager aufgeschlagen haben. – Ich frage mich durch und ein Österreicher gib mir den entscheidenden Tipp. Elisabeth und ihre Freundin, sitzen hinter seinem Caravan. Eine spannende Runde, zu der auch der Österreicher gehört.

Ich finde es immer wieder spannend, fast jeden Tag neue Reisende kennen zu lernen. Heute zum Beispiel den Österreicher, Engelbert Fleischhacker. Dieser ist mit seinem Hund Willi auf Tour. Engelbert schreibt aus Sicht seines Hundes Willy über ihre Erfahrung unterwegs.

Was ursprünglich als eine Art Tagebuch gedacht war, füllt inzwischen drei Bücher. Diese berichten über Willys Touren zum Nordkap, mit dem Camper nach Gibraltar und ihre Tour durch England, Schottland und Irland. – Engelbert erzählt mir von seinem Vorleben als Taxiunternehmer. Von einem übergriffigen Kunden und warum er sein altes Leben satt war. Aber vor allem erzählt er von einer Reise ins Glück. Sein Golden Retriever Willy ist seit viereinhalb Jahren mit dabei und neuerdings eine wilde Promenadenmischung. Wie man an der Feder erkennen kann, ein kleiner Hippie.

Es sind viele spannende Menschen auf der Straße. Doch wenige scheinen aus Spaß losgefahren zu sein. Oft scheinen Schicksalsschläge der Antrieb zum Austritt zu sein. Wenige scheinen einfach aus Spaß an der Freude loszufahren. Sollte uns das zu denken geben?

Irgendwann mache ich mich doch lieber wieder auf dem Weg zur Torgit und Hector. Da für Morgen ein sonniger Tag angesagt ist, möchte ich noch schauen, ob wir das Batterie- Anschlusskabel, für unsere neue Solartasche, an die Camping Batterie angeschlossen bekommen. Hätte ich gewusst auf was ich mich einlasse, hätte ich es wahrscheinlich auf Morgen verschoben. Denn um an die Anschlüsse der Batterie ran zu kommen, muss man erst einmal den Fahrer Sitz ausbauen.

Doch gesagt, ist gesagt. Also Werkzeug raussuchen, 13er Nuss auf die Ratsche und los geht’s. Als der Sitz ausgebaut ist, muss ich feststellen, dass die Klemmen so nicht direkt montiert werden können. Also Seitenschneider in der Nachbarschaft leihen, und Schellen öffnen. Danach alles zusammenschrauben, Sitz wieder einbauen und die App kontrollieren. Scheinbar ist alles gut gegangen. Wir haben keinen Airbag ausgelöst und auch keine Fehlermeldung im Display. Doch funktioniert das? Morgen, wenn die Sonne scheint, sind wir schlauer.

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