Torgit: Es war eine Weile still auf unserem Blog, aber heute war wieder einmal so ein Tag, von dem ich Euch erzählen muss.

Blog und Instagram

Blog schreiben ist doch mehr Arbeit als gedacht und manchmal haben wir abends einfach zu schlechtes Netz, oder einfach nach einem langen Offroad Tag keine Lust mehr lange zu bloggen. Es ist nichts ärgerlicher, als wenn man alle Texte, Fotos und Videos auf den Blog hochgeladen hat, alles immer schön abgespeichert, und irgendwann ist das schwankende Netz so schlecht, dass das Speichern nicht funktioniert. Ich habe mir schon einmal einen ganzen Blogartikel so verdaddelt, und die Arbeit von 3-4 Stunden war weg. Denn auch wenn das mobile Netz hier auf Sizilien gefühlt besser ist als in Deutschland, sind unsere Schlafplätze so einsam und abgelegen, dass wir dort sehr schwankendes oder gar kein Netz haben. Seitdem “liebe” ich Sprachnachrichten. Für mich ungeduldigen Menschen ist nichts schlimmer, als wenn ich sehe, dass ich eine Sprachnachricht habe, und kann sie nur sehr stockend oder gar nicht hören, weil das Netz es einfach nicht hergibt. Es lebe die gute alte Textnachricht.

Wir haben Instagram für uns entdeckt. Hier kann ich tagsüber schnell ein Foto oder ein 15 Sekunden Video als Story hochladen. Allerdings sind die Beiträge auf 256 Zeichen limitiert, und das ist mir manchmal zu wenig. Es tut mir auch leid für unseren Blog, den wir mit so viel Liebe aufgebaut haben. Wer also immer uptodate sein will, schaut besser auf Instagram.

Onroad ins Val di Noto

Aber zurück zu gestern: Ich (Torgit) möchte nach Noto. Onroad. Ich habe schon viel davon gehört, das Val de Noto soll sehr schön sein. Es gehört sogar zum UNESCO Weltkulturerbe. Marc sucht uns eine schöne Strecke und einen Spot für die nächste Nacht aus. Der Weg soll nur 90 Minuten dauern, daher lassen wir es ruhig angehen und genießen noch unser Frühstück an unserem wunderschönen Spot in Brucoli mit Blick auf Mama Etna, wie die Sizilianer ihren Vulkan liebevoll nennen.

Dann wird das Navi gefüttert und es geht los. Unterwegs halten wir an einem der typischen Obst- und Gemüsestände und füllen unsere Bestände auf. Der Verkäufer kann seinen Job. Jede meiner Bestellungen wird hinterfragt: ’Wann möchten Sie die Avocado essen?’, Sollen die Äpfel hart oder mehlig sein?’ Das ganze macht mir Spaß und am Ende habe ich mehr eingekauft als gewollt. Ist aber auch egal, denn wir essen so viel Obst und Gemüse, dass der Einkauf für höchstens 3 Tage reicht.

Serpentinenweg durch Orangenhaine auf Sizilien
gesperrte Straße auf Sizilien
alte bewachsene Steinbrücke auf Sizilien

Abkürzung zum Val di Noto

Nun aber weiter on the road. Die Strecke ist sehr schön, und lässt sich angenehm fahren. Wir sind hier viel höher als gedacht und haben eine wundervolle Aussicht. Immer wieder sehen wir Orangenplantagen. Es geht bergauf und bergab. Auf einmal sehen wir in der Nähe von Melilli ein Hinweisschild: Die Straße ist gesperrt in 7km. OK. Das hatten wir schon mehrmals. Das kennen wir schon. Das sehen wir uns genauer an. Wir fahren weiter. Nun etwas vorsichtiger. Auf einmal ist die Straße vor uns gesperrt. Es steht nicht nur ein Schild, sondern eine Leitplanke versperrt die Fahrbahn vor uns. Doch nach rechts geht ein schmaler unasphaltierter Weg weiter. Wir schauen mal vorsichtig rein, sieht gut aus. Diese Art Umgehung ist typisch für Sizilien. Die eigentlich Straße, meist eine Brücke, ist gesperrt, weil sie baufällig ist, und es bildet sich eine Art Trampelpfad als Umgehung, der im Lauf der Zeit ausgetretener wird und damit auch für unseren Bulli machbar ist. Von hier hat man nun einen Blick auf die alte Steinbrücke, und wir sind froh, dass sie gesperrt ist.

Wenn ich baufällig sage, meine ich auch baufällig. Wir haben hier auf Sizilien schon große halb eingestürzte Brücken gesehen.

Weiter geht’s schön die Hügel hinauf und hinab. Irgendwann springt das Navi um und rechnet eine andere Route. Warum? Haben wir einen Abzweig verpasst? Wir setzen zurück. Ja, hier geht ein Sträßchen ab. Ich bin skeptisch, sieht ein bisschen schmal aus. Marc ist begeistert, auf dem Navi sieht man viele enge Serpentinen, endlich wieder eine Straße nach seinem Geschmack.

Ich will kein Spielverderber sein. Wir biegen in diese ‚Straße’ ab und fahren weiter.

Das schmale Sträßchen windet sich in engen Serpentinen den Berg hinab. Etliche Serpentinen sind so eng, dass wir vor- und zurücksetzen müssen. Ich mit meiner Höhenangst werde immer stiller, der Abhang ist mir deutlich zu nah. Marc hat Spaß. Das Sträßchen wird immer schmaler, irgendwann hört der Asphalt auf. Wir fahren durch Orangenplantagen, der Weg wird so schmal, dass ich die Orangen aus dem Fenster pflücken kann. Warum genau habe ich heute Morgen Orangen am Obststand gekauft?

Offroad ins Val di Noto

Irgendwann findet auch Marc den Weg nicht mehr ganz so lustig, steigt aus und schaut sich die vor uns liegende Offroad Strecke an. Er kommt zurück und sagt: Nur noch diese eine enge Stelle vor uns, dann wird der Weg breiter. Wir fahren weiter unter tiefhängenden Ästen durch. Sie hängen so tief, dass ich mir Sorgen mache um unsere Markise.

Marcs Kommentar dazu: Die hast du doch sowieso nicht gewollt. Naja, wir haben sie auch noch nie benutzt bzw. Marc legt nur das Solarpanel darauf. Aber egal. Auf der weiteren Strecke werde ich das Gefühl nicht los, dass Marc vorhin nur ausgestiegen ist, um mich zu beruhigen. Auf jeden Fall wird die Strecke keinen Deut besser. Marc steigt noch einmal aus und begutachtet den Weg: “Da vorne ist eine schmale Stelle, mal sehen, ob wir da durch kommen, dann wird der Weg breiter.”

Hört sich an wie eine verschärfte Version A. Ich steige aus und weise Marc ein. Hier wird es wirklich so schmal, dass Marc mit dem äußeren Reifen auf die Mauer zum Abgrund fahren muss, damit wir durch passen. Daneben geht’s steil runter. Aber es funktioniert. Wir sind heilfroh. Und natürlich haben wir wieder kein Foto oder Video davon, denn in diesen brenzligen Situationen konzentrieren wir uns voll und ganz darauf zu funktionieren und da heil rauszukommen. Ich frage mich immer wie das andere Blogger machen, wenn ich spektakuläre Videos auf Instagram oder anderen Blogs sehe.

Nach dieser Stelle wird der Weg wirklich ein My besser, und kurz darauf kommen wir an ein Stoppschild und auf eine andere Straße. Stoppschild ist immer gut. Wir halten erst einmal kurz und atmen durch. Auf der anderen Straße kommt hupend ein kleines Auto den Berg herunter gesaust. Der Fahrer schaut uns entgeistert an und entschwindet hinter der nächsten Serpentine. Diesen Blick kennen wir schon. Manches Mal, wenn wir besonders in Kreiseln im Stau nicht weiter kommen, werde ich das Gefühl nicht los, dass wir den Stau verursachen. Weil unser Auto so auffällig ist, und alle anderen Autofahrer erst mal gucken wollen.

Blick aus dem Bulli auf den Weg
Unser PlanBwagen auf den schmalen Pfaden Siziliens
Unser PlanBwagen auf den schmalen Pfaden Siziliens

Onroad und offroad – die Mischung machts

Marc schaut auf sein Navi, ob wir die Straße bergauf oder bergab fahren. Er entscheidet sich für bergauf. Ich bin skeptisch. Auch wenn ich eine ganz schlechte Orientierung habe, würde ich im Zweifel auf der Suche nach einer breiteren Straße immer bergab fahren.

Aber da Marc der bessere Navigator ist, fahren wir bergauf. Die Straße ist zwar geteert, wird aber bald wieder etwas schmaler. Wir schauen uns an und verstehen uns. An der nächsten Einfahrt in ein verlassenes Haus drehen wir. Was hier nicht ganz einfach ist. Der Winkel ist spitz und daneben ist ein Wassergraben. Ich weise ein, und es geht vor und zurück. Immer wieder. Ein Reifen hängt halb in der Luft über dem Wassergraben. Gott sei Dank hält der Rand. Geschafft. Wir fahren zurück. 3 Stoppschilder weiter sind wir wieder entspannt auf einer einfach zu fahrenden Straße. Kurzer Blick ins Navi und weiter geht’s. Ich frage mich welches Navi Marc unterwegs benutzt hat, denn wir hatten in den Bergen kein Netz. Ach so, Mapout. Jetzt wird mir einiges klar, denn das ist ein Offroad Navi.

Und wieder haben wir ein Abenteuer überstanden. Aber jetzt mal ehrlich: Das sind die Tage, an die man sich noch lange erinnert. Oder erinnerst Du Dich noch an die Nächte, in denen Du gut geschlafen hast?

Planänderung

Wir sind etwas von unserer ursprünglichen Route abgekommen und suchen uns einen neuen Spot für die Nacht. Und jetzt wird wieder eimal klar, warum wir so wenig planen. Es kommt meist eh anders als wir denken.

Das Riserva Naturale Cavagrande del Cassibile bietet sich an. Bis dahin ist es noch eine Stunde Fahrt. In diesen Naturreservaten findet man fast immer einen ruhigen Platz zum Schlafen.

Kurz vorher sehen wir von der Straße aus auf einem Grundstück verwilderte Hausschweine. In diesem Restaurant soll man sehr gut essen können. Leider gerade geschlossen. Dann gelangen wir an eine Wiese, auf der parken erlaubt ist. Eigentlich stehen wir ja immer wild und frei. Aber warum kompliziert, heute darf es auch mal einfach sein. Aus geplanten 90 Minuten Fahrt ist mal wieder eine Tagestour von 5 Stunden geworden.

Außer uns steht dort nur ein Fahrzeug, ein holländischer Mercedes Sprinter. Wir sagen hallo und siehe da, es ist Olliepedition. Habem wir schon mal auf Instagram gesehen. Sie kommen gerade von einer Wanderung wieder. Es werden Tipps ausgetauscht über das Tal und unsere letzten Stellplätze. Wir entscheiden uns spontan hierzubleiben und morgen durch die Schlucht zu wandern.

felsiger Untergrund einer Offroad Strecke
PlanBwagen von hinten auf einem schmalen Pfad auf Sizilien
schmaler Pfad zwischen Orangenhainen auf Sizilien
PlanBwagen unter tiefhängenden Ästen

Onroad oder offroad?

Das sind Marcs Gedanken zu diesem Tag:

Wo endet On-Road und beginnt Off-Road?

Meine ich das nur, oder wird man(n) beim Thema Off-Road schnell zerrissen, wenn Fotos oder Filme nicht spektakulär genug sind? Hochformatfilmer sind schlimmer als Warmduscher, oder? Und dann noch diese Instagramer, schlimm nicht?

Heißt es nicht immer „verlasse eingetretene Pfade…” und „wer in den Spuren andere wandelt…”? Doch es heißt auch „es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen”. 

Wer fährt den wirklich Off-Road? Ist das auf dem Bild schon Off-Road? Und wer schafft es davon auch noch spektakuläre Fotos oder Videos zu machen? Falls ich in einer Situation, in der ich mir vorher fast in die Hose gemacht habe, es schaffe ein Foto zu schießen, sieht es später absolut unspektakulär aus. Man kann eine Ab- oder Auffahrt kaum laufen, doch es wirkt auf den Fotos eher platt.

Und in der Regel bin ich in solchen Situationen mehr mit dem Fahren, als mit gopro oder Kamera beschäftigt. Und meine Liebste mit dem Einweisen.

Wenn das Navi spinnt

Gestern hatten wir wieder eine solche Situation auf Sizilien. Plötzlich springt das Navi um. Hätte ich doch darauf gehört. Doch ich möchte halt die schöne Serpentinenstrecke fahren.

Diese ist am Anfang sogar noch asphaltiert und windet sich wunderschön steil bergab durch Olivenhaine. Doch bald schon wird aus Asphalt Schotter oder Beton, aus Olivenhainen Orangen, die Straße zu einem Weg. Wendemöglichkeiten sind nicht gegeben.

Alternative: Mehrere hundert Meter rückwärts, steil bergauf. Ich denke an unser Getriebe und versuche es vorwärts. An jeder Kehre muss mehrfach vor- und zurück gesetzt werden. Auf der einen Seite wird der Weg durch eine aufsteigende Mauer, auf der Anderen durch Stützmauern begrenzt.

Auch ein ausgetrocknetes Flussbett muss gekreuzt werden. Zwar setzt der Unterbodenschutz auf. Doch nicht schlimm, da ist ja noch Schotter zu erkennen. Immer wieder wird die Straße durch Dornensträucher oder Orangenbäume eingegrenzt. Markise und Wasserrohr mutieren zur Pflückmaschine. An einer Stelle wird die „Straße” durch aus der Mauer vorstehende Steine so stark begrenzt, dass trotz eingeklappter Spiegel eine Weiterfahrt fast unmöglich erscheint. Links stehe ich mit den Reifen nicht nur auf der Stützmauer aus Feldsteinen, sondern zeitweise leicht drüber. Am Ende passt es.

Kennt ihr das, wenn Frauen nicht mehr schimpfen, sondern es ganz, ganz still wird?

Wenn du weißt, hier gibt es kein Zurück mehr? Hier holt dich kein ADAC und auch kein Trecker mehr raus? Und wenn du kippst und es überleben solltest, verlierst du zumindest deine Bleibe? Und ein Video oder spektakuläre Fotos gibt es auch nicht.

Wir wurden am Ende zumindest belohnt. Dies waren die leckersten Blutorangen, die ich seit langem gegessen habe. Und meine weltbeste Copilotin und Frau hat auch später nicht geschimpft.  Ganz im Gegenteil, sie hat mich abgeklatscht. Sie möchte mehr, oder? 😉

Doch ist das noch On-Road oder schon Off-Road?

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